Fachbeiträge

Autor: Philipp A. Ziegler,  CEO, MSM Research AG


Herbstzeit - die Planspiele 2020 beginnen (Oktober 2019)

Für die meisten Unternehmen beginnen im Herbst die Budget- und Planspiele für das jeweils kommende Jahr. Auch wenn Fünfjahrespläne in vielen Unternehmen längst der Vergangenheit angehören (es ist heute schon komplex genug, auf fünf Monate verlässlich zu planen), so gehören die Forecastarbeiten für ein neues Jahr zum festen Fundus an Planspielen der unterschiedlichsten Fachbereiche im Unternehmen. Meist werden die nach langen und zähen internen Korrekturläufen zwischen Management und Fachbereichen vereinbarten Ziele schon nach kurzer Zeit von der Realität überholt. Märkte verändern sich heute nicht mehr in Jahren, sondern oft in Monaten. Kundenverhalten und Absatzmärkte befinden sich in einem raschen und komplexen Wandel. Etwas mehr Startup-Denken, etwas mehr Zeit an der Kundenfront und weniger Aufwand am Budget-Reissbrett wäre für so manches Unternehmen empfehlenswert. Reaktionszeit und Agilität sind die Erfolgsfaktoren der digitalen Ära, ein mehr iterativer Ansatz mit Blick auf die Planspiele wäre angesagt.

 

Das ist aber nicht der Kern und das eigentliche Thema unseres Herbst Updates. Auf der Basis unserer aktuellen Felderhebungen zu unterschiedlichsten Technologiethemen haben wir auch nach der derzeitigen Situation mit Blick auf die ICT-Ausgabenpläne nachgefragt. So rechnen rund 40% der Unternehmen für 2020 mit höheren Ausgaben im Vergleich zum laufenden Jahr, während 44% aufgrund der aktuellen Wirtschaftslage und Aussichten kaum mit Veränderungen der Budgets rechnen. Es sind derzeit lediglich 16% der Unternehmen, welche mit einer Senkung der Spendings rechnen.

 

Die Zeichen stehen generell auf Wachstum. So haben wir aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in der ersten Jahreshälfte auch unsere Prognose für das laufende Jahr von 3.1% auf 3.5% angehoben. Damit erreicht der Markt (B2B) ein Volumen von 18.74 Milliarden Franken, 633 Millionen Franken mehr als noch 2018. Ein Hauptpfeiler und zentraler Antriebsfaktor dieser weiterhin positiven Entwicklung der Ausgaben im Schweizer ICT-Markt ist der Paradigmenwechsel im Betrieb. Ohne die externen Services zu berücksichtigen, schrumpft der ICT-Markt um rund 12%. Die externen Sourcingservices alleine generieren 15% Wachstum. Und diese Schere wird sich in den kommenden Jahren weiter öffnen.

 

Für 2020 gehen wir von einer weiteren Steigerung des Wachstums aus, aktuell rechnen wir mit einem Plus von 3.9%. Obwohl der Konjunkturverlauf im Euroraum sowie in wichtigen asiatischen Volkswirtschaften sich derzeit eher abkühlt und die Schweizer Konjunktur wieder etwas an Rückenwind verliert, wird weiter kräftig in neue Technologien investiert. Angetrieben wird das Wachstum im laufenden und kommenden Jahr nicht nur durch die Verschiebung des Big Shift im ICT-Betrieb, sondern auch durch die stark steigenden Projekte und Investitionen im Bereich der digitalen Transformation. Dazu zählen wachsende Ausgaben in den Bereichen Analytics, künstliche Intelligenz, Augmented Reality, Mobility und das alles umfassende Thema der Sicherheit.

 

Die Aussichten am Schweizer ICT-Markt bleiben positiv. Mit einem Seitenblick auf die globalen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten und die vielen Baustellen auf dieser Welt, jedoch ein Ausblick auf volatiler Basis.

 

Detaillierte Resultate finden Sie im Herbst Update Report, den Sie hier bestellen können.


Die Cloud als Innovationstreiber (Juni 2019)

Vielleicht etwas übertrieben, ein Betriebsmodell der ICT wird per se nicht alleine zum Innovationstreiber. Dazu gehören smarte Köpfe und Teams, welche neue Ideen angehen, bisheriges Denken und bestehende Businessmodelle auf den Kopf stellen und nicht nur Traditionen und deren Probleme hegen und pflegen. Aber die Cloud kann zumindest als passiver Innovationstreiber bezeichnet werden. Die heute verfügbaren Plattformen und Dienste aus der Cloud bilden einen ganz wesentlichen Nährboden für die Umsetzung innovativer Ideen aus der ganzen Bandbreite an Themen der digitalen Transformationen.

 

Die Cloud ist nicht mehr wegzudenken, sie gehört heute zum festen Bestandteil der ICT-Landschaften vieler Unternehmen. War die Nutzung vor Jahren auf einige Services wie Messaging, Filesharing, Backup oder Dokumentenverwaltung beschränkt, ist die Bandbreite der heute genutzten Cloudservices mehr als vergleichbar mit der im Eigenbetrieb (on Premise) vorhandenen Infrastrukturdienste und Anwendungen. Der reine Eigenbetrieb, das einstige Zentrum der Informatik, verliert weiter an Schwerkraft, ohne die Cloud wird in vielen Unternehmen künftig nichts mehr gehen. Dies gilt vor allem hinsichtlich der neuen Themen und Entwicklungen, welche sich rund um die digitale Transformation materialisieren. Bereits heute beginnen sich die Unternehmen mit Blick auf den diesbezüglichen Cloud-Einsatz in Stellung zu bringen. Derzeit sind es zwar erst knapp 10% der Schweizer Unternehmen, welche sich konkret mit kommenden Kerntechnologien wie der künstlichen Intelligenz (KI) oder der Blockchain beschäftigen. Allerdings werden diese in den kommenden drei Jahren zu Topthemen avancieren.

 

Die Cloud gilt als Katalysator und Business Enabler für die neuen Technologien. So ist es jedes dritte der im Rahmen unserer Studie zum Schweizer Markt für Cloud Computing befragten Unternehmen, welches sich vorstellen könnte, beispielsweise für KI-Projekte entsprechende Plattformen aus der Wolke zu nutzen. Und bei der Blockchain-Technologie denkt sogar die Mehrheit der Unternehmen an die Verwendung von Plattformen und Services aus der Cloud.

 

Die Erwartungen an Cloud Dienstleister sind auf der Basis dieser Entwicklungen und Möglichkeiten enorm gestiegen. Es werden nicht mehr nur die bald klassischen Infrastruktur-Services, sondern auch gut ausgebaute Entwicklungsplattformen, weitreichende Security- und Managed Services sowie fertige Lösungen vom Cloud-Provider gefordert. Noch sind heute nicht alle Bedenken seitens der Business-Anwender beseitigt. So zählen gerade die Sicherheits- und Datenschutzaspekte oder auch die Standortfrage bei der Wahl eines Cloud-Providers eine entscheidende Rolle. Mit Standards, Zertifikaten und nachvollziehbaren Audits schafft der zur Auswahl stehende Cloud-Dienstleister Vertrauen und die Basis für eine erfolgreiche Partnerschaft mit dem Anwender. Und so kann die Cloud zum unverzichtbaren Gehilfen und vielleicht zentralen Treiber der Innovation werden.


Fachabteilungen - Silobauer oder Innovatoren? (April 2019)

Zu den Topthemen in den Unternehmen zählen derzeit die Cloud, das mobile Computing und Data Analytics. Und wie unsere aktuellen Studienarbeiten aufzeigen, werden diese bis in drei Jahren von ihren Topplätzen auf dem Ranking der aktuellen Themen abgelöst durch die "künstliche Intelligenz, Augmented und Virtual Reality und Blockchain".

 

Sicherlich dürfen wir aus heutiger Sicht gespannt sein, wie und welche praktischen Cases und Lösungsansätze sich aus den ersten kreativen Ideen der neuen Themen entwickeln. Und wie aus den ersten Lösungsansätzen nachhaltig wettbewerbsfähige und kommerziell erfolgreiche Business Cases realisiert werden. Als sicher gilt aber, dass die Anforderungen an die ICT-Abteilungen weiter steigen werden. Und als ebenso sicher gilt, dass nicht alle ICT-Abteilungen mit dem Tempo der durch die digitale (R)evolution geschaffenen neuen Themen Schritt halten können. In der zunehmend digitalisierten Welt dreht sich alles um Tempo, Reaktionszeiten, Innovation und Agilität. Nur eine rasche Implementierung neuer Lösungen und die Ausstattung des Unternehmens mit modernen Devices und Technologien sichert dem Unternehmen das Mithalten des Innovationstempos der digitalen Welt.   

 

Viele Fachbereiche verfolgen diese Entwicklung mit Sorge, sie haben entsprechend hohe Erwartungen an die ICT-Verantwortlichen. Aus ihrer Sicht sind die ICT-Abteilungen aber nicht immer in der Lage, ausreichend Zeit für fachspezifische und innovative, neue Geschäftsmodelle unterstützende Lösungen aufzubringen. Die Folge davon: die Businessabteilungen gehen die Dinge selber an.  Die Cloud hat die Grundlage geschaffen, sich mit Blick auf neue Technologien selbst zu bedienen. Sie hat die Implementierung und Nutzung neuer Lösungen demokratisiert. Die Fachabteilungen stossen nicht nur zunehmend ICT-Projekte an oder entscheiden mit, sie verfügen auch über eigene Budgets zur Umsetzung von Initiativen im Bereich der ICT. Aus Sicht der ICT-Verantwortlichen ist dieser Alleingang durch die Fachabteilungen allerdings kein optimaler Weg, Innovationen und neue Ideen umzusetzen. Ohne enge Zusammenarbeit mit den ICT-Fachleuten und Abstimmung mit strategischen ICT-Zielsetzungen können Sicherheitsprobleme, Doppelspurigkeiten und eine ausufernde Heterogenisierung der ICT-Umgebung mit Blick auf die beschafften und eingesetzten Lösungen entstehen.

 

Die Fachabteilungen als Silobauer? Eine Entwicklung, an deren Verhinderung und Beseitigung so mancher ICT-Chef in den vergangenen Jahren gearbeitet hat: keine Silos, keine Schatten-ICT mehr, keine heterogene Landschaft mit vielen Insellösungen, die eine erfolgreiche Orchestrierung der Unternehmens-ICT gefährdet. Oder sind die Fachabteilungen die eigentlichen Innovatoren und Treiber einer entsprechend auf die neuen Wettbewerbsparameter ausgerichteten Unternehmens ICT? Lassen sich die Fachabteilungen in den Bau einer wettbewerbsstarken, agilen und flexiblen ICT integrieren?

 

Beide beschriebenen Szenarien widerspiegeln den Stand der Dinge und die aktuelle Diskussion in vielen Unternehmen. Die Konklusion: Angesagt ist die enge Zusammenarbeit der ICT und der Fachabteilungen. Sie kann den Weg in eine erfolgreiche und auf wettbewerbsvorteilschaffende Innovationen aufgebaute Digitalisierung des Unternehmens ermöglichen und sicherstellen.


KI-Projekte verlangen nach viel Expertise (Februar 2019)
Als Hypethema ist die künstliche Intelligenz (KI) seit geraumer Zeit im Markt angekommen und alle Zeichen der aktuellen Entwicklung deuten darauf hin, dass sie sich in den kommenden Jahren als ein auf breiter Basis rasch wachsender Markt materialisieren wird. Es sind zwar aktuell erst rund 8% der im Rahmen unserer neuen Studie befragten Schweizer Unternehmen, welche sich mit dem Thema konkret befassen. Auch die Ausgaben für KI-Projekte im Schweizer Markt 2018 liegen mit knapp 100 Millionen Franken im Vergleich zu den gesamten Spendings für die ICT noch im marginalen Bereich.

Aber bereits 2021 steht die KI für die befragten Verantwortlichen an erster Stelle der Agenda der ICT-Themen. Damit hat sie das Momentum, in den kommenden Jahren zum Game Changer und zu einer der kommenden Kerntechnologien zu werden.  Für viele der befragten Unternehmen ist die Zeit heute noch nicht reif, um sich mit künstlicher Intelligenz tiefer zu beschäftigen resp. einzusteigen. Derzeit rechnet nur jedes fünfte Unternehmen damit, dass KI in der eigenen Branche bereits in den kommenden ein bis zwei Jahren in vollem Umfang Realität wird.

Heute ist es vor allem die fehlende interne Expertise in den Unternehmen sowie der (noch) nicht klar erkennbare, kommerziell messbare Nutzen von KI, das die Unternehmen vom Einstieg in dieses Thema abhält. Die Mehrheit der Unternehmen wartet zudem noch auf aus ihrer Sicht ausgereiftere Technologien und sieht keine dringende Veranlassung, heute schon KI-Lösungen einzuführen.

Der Weckruf ist zwar gehört, die Chancen und mögliche Zielsetzungen in Umrissen bekannt: Mit Blick auf einen künftigen Einsatz entsprechender KI-Lösungen und Echtzeit-Analysen beabsichtigen die Unternehmen in erster Linie eine erhöhte und intelligente Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse und die Schaffung strategischer Marktvorteile durch rasches Reagieren auf kurzlebige Chancen.

Ein Schritt in die richtige Richtung, denn auf den heute zunehmend digitalisierten Märkten dreht sich alles um Reaktionszeiten und das Erkennen von individuellen Kundenbedürfnissen. Die künstliche Intelligenz hämmert hier wuchtig gegen die Tür alter Traditionen. KI kann Unternehmen darin unterstützen, schnell, vor allem aber schneller als der Wettbewerb, auf Veränderungen an der Kunden- und Marktfront zu reagieren. KI hilft, das Leistungsangebot entsprechend individualisiert, personalisiert und damit matchentscheidend auszurichten.

Das Momentum und die Pace der Innovation und zu erwartenden Veränderungen im Markt sind gross und keinesfalls zu unterschätzen. Das was die künstliche Intelligenz in den kommenden Jahren auf breiter Basis auslösen wird, wird die Marktverhältnisse neu ordnen. Und wie bei allen grossen Veränderungen und sich neu öffnenden Chancen und Risiken für die Marktteilnehmer gilt: Rasch den Stand by Modus verlassen, mit kleinen Schritten und iterativen Schleifen starten und erste Schritte wagen. Denn die Gefahr ist gross, erst einmal abzuwarten, im Stillstand zu verharren und dann (zu) spät und überhastet auf unbekanntes Terrain einzusteigen.


Cloud Computing im Schweizer KMU-Markt 2019 (Januar 2019)

2019 dürften die ICT-Ausgaben der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Schweiz nicht mehr auf dem Niveau des Vorjahres zulegen. Wir gehen aktuell davon aus, dass die Zuwachsraten der ICT-Budgets zwar immer noch leicht über denjenigen der Grossunternehmen (ab 500 Mitarbeiter) liegen, aber sich ebenso wie diese im Vergleich zu 2018 leicht abschwächen werden.

 

Wir rechnen 2019 mit einem Anstieg der ICT-Ausgaben im KMU-Markt um 4.6% auf insgesamt 12.15 Milliarden Franken. Dies entspricht einem geringfügigen Rückgang der Wachstumsrate um 0.2% gegenüber 2018. Damit werden im laufenden Jahr von den KMU ihre Budgets zusammengenommen aber immer noch um mehr als 500 Millionen Franken aufgestockt.

 

Einer der zentralen Pfeiler des derzeitigen Wachstums ist der Big Shift, oder auch Paradigmenwechsel im Bereich des ICT-Betriebes, d.h. die zunehmende Verlagerung des Betriebes hin zu externen Dienstleistern. Wir gehen davon aus, dass 2019 die Ausgaben für den traditionellen ICT-Eigenbetrieb der KMU um annähernd 10% sinken, während sie für externe Managed und Cloud Services um rund 17% zulegen werden. Während die Ausgaben für die intern betriebene Informatik der KMU geschrumpft sind, flossen 2018 mehr als 3.7 Milliarden Franken in die Taschen externer Sourcing Dienstleister, und wir gehen aktuell davon aus, dass die entsprechenden KMU-Budgets für Sourcing Services 2019 um rund 17% aufgestockt werden. Die Form des reinen ICT-Eigenbetriebes ist angezählt, das einstige Zentrum der Informatik verliert an Schwerkraft. Die Kompassnadel zeigt in Richtung externe Dienstleistungen, Richtung Cloud Computing und Managed Services.

 

Hybride Umgebungen dominieren bereits heute den ICT-Betrieb in vielen KMU. Entsprechend hoch sind denn hier auch die Anforderungen an den Datenschutz, die Compliance und die ICT-Sicherheit. Das Management dieser gemischten, komplexen Umgebungen stellt höchste Ansprüche an die Verantwortlichen, denn eine einwandfreie Interoperabilität zwischen externer Cloud und On Premise bildet die Grundlage für einen reibungslosen Betrieb.

 

Gerade für Schweizer KMU ist der Sicherheitsaspekt heute einer der wichtigen, wenn nicht entscheidenden Antriebsfaktoren, in die Cloud zu wechseln. Waren es ursprünglich genau diese Sicherheitsbedenken, welche die kleineren und mittleren Unternehmen davon abhielten, sich für einen Wechsel in die Cloud zu entscheiden, sehen sich viele dieser Unternehmen heute kaum mehr in der Lage, die steigenden Sicherheits-, Compliance- oder Betriebsanforderungen zu erfüllen. Externe Cloud-Provider mit ihren Datacenter-Sicherheitskonzepten und Massnahmen bieten einen Standard, welcher die eigenen Mittel und Möglichkeiten übersteigt.


MSM Research Insights

Trends, Prognosen, Erkenntnisse und

Facts & Figures zum ICT-Markt

Ausgabe 3 / Oktober 2019

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